Außerhalb der Tanzfläche weiß jeder, wie man am besten tanzt

Außerhalb der Tanzfläche weiß jeder, wie man am besten tanzt

Nun stehen wir plötzlich, unerfahren und unvorbereitet inmitten der Tanzfläche. Und jetzt, wie geht es weiter? Üblicherweise versuchen wir, die Schritte der anderen nachzuahmen, und je schneller es uns gelingt, desto besser ist es für alle.

Die abrupte Landung von SYRIZA auf den Boden der Tatsachen hat die Grenzen zwischen den Versprechungen im Wahlkampf und der Wirklichkeit im Tagesgeschäft einer Regierung gezeigt. Wachgerüttelt wurden seine Anhänger, die jahrelang behaupteten, frühere Regierungen hätten sich bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern des Landes als feige erwiesen. Denn es würde genügen, wenn Griechenland mit der Austrittkarte aus der Eurozone gedroht hätte, womit das ganze Euro-Gebäude ins Wanken, ja zur Zerstörung gebracht wäre. So gesehen, meinen die SYRIZA-Anhänger heute noch, unsere Kreditgeber haben keine andere Wahl, als uns weiter zu finanzieren, und zwar mit Bedingungen, die weitgehend wir bestimmen, ja, warum nicht, mit einem kräftigen Schuldenschnitt. Andernfalls wenden wir uns an China und an Russland, jawohl auch an die USA. Wir werden denen unsere strategische Lage unterstreichen, die besonders heute im unruhigen Osten des Mittelmeers so wichtig ist – als ob die anderen nicht wüssten, wo Griechenland geografisch liegt.

Drohungen eines Austritts erschrecken die Eurozone nicht mehr. Sie ist inzwischen gefestigt und notfalls bereit, heute einen Grexit leicht zu verkraften. In der Tat: Als im April 2012 der Präsident Zyperns Anastasiadis während eines EU-Gipfels drohte, er werde gehen, falls die anvisierten Maßnahmen beschlossen werden, hörte er von seinen Kollegen schlicht und klar: “Gehen Sie, Herr Anastasiadis“’. Darauf verließ er den Sitzungsraum für kurze Zeit, kehrte aber an seinen Platz am Verhandlungstisch zurück – tatenlos.

Obwohl die SYRIZA-Anhänger sich als große Patrioten sehen möchten, vergaßen sie schnell unsere Nationalhymne, in der unser Nationaldichter Solomos bildhaft die prekäre Notlage Griechenlands beschrieb. Es war die Zeit des Aufstandes gegen die osmanische Herrschaft, in der Griechenland sich um Hilfe an das Ausland wandte, jedoch überall abgewiesen wurde. In freier Übersetzung lauten diese Strophen, wie folgt:

In blutertränkten Kleidern bist du,
ich weiß es, heimlich in die Fremde gegangen,
du suchtest nach starken Händen,
du wolltest, dass dir geholfen wird.

Allein hast du den Weg dorthin bestritten
allein kehrtest du zurück,
leicht gehen die Türen anderer nicht auf,
wenn sie die Not geschlossen hält.

Mit anderen Worten: Keiner macht einem Fremden seine Tür so leicht auf, nur weil er um Hilfe bittet – vielmehr wenn er keine Perspektive hat.

Hat eigentlich das Volk nicht damit gerechnet, dass SYRIZA als Regierung ihre Versprechungen nicht einhalten würde. Natürlich haben die Wähler nicht alle Wahlversprechungen für bare Münze genommen. Es geschieht ja nicht zum ersten Mal, dass vor den Wahlen unzählige Versprechungen abgegeben werden und danach „April, April“ alles vergessen wird. Doch sind die Griechen müde geworden in den vergangenen vierzig Jahren durch die Regierungen von PASOK und ND, die am Ende das Land in den Ruin getrieben haben.

Nun ist es gut, dass die Regierung ihre aussichtslose Lage schnell diagnostizierte und das Interesse des Landes erkannte: sie will nämlich den Euro behalten, ihre Verpflichtungen gegenüber den Kreditgebern erfüllen und damit den Konkurs des Landes vermeiden.

Sie ist neu auf dem Feld des Regierens und ist daher nicht durch die Vergangenheit belastet. Sie hat keine Korruption und Misswirtschaft zu verantworten, sie ist nicht verbraucht und hat keine Rechenschaft den Lobbyisten gegenüber abzulegen. Das sind Privilegien, die ihren Vorgängern fremd waren. So gesehen, könnte die heutige Regierung einen weitgehenden Umbau Griechenlands versuchen, das Land zu modernisieren, es international konkurrenzfähiger zu machen. In diesem Sinne: vorwärts, und wir folgen euch.

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