Η-ΟΔΥΣΣΕΙΑ-ΕΞΑΚΟΛΟΥΘΕΙ-ΝΑ-ΕΜΠΝΕΕΙ

ΗΟΔΥΣΣΕΙΑΕΞΑΚΟΛΟΥΘΕΙΝΑΕΜΠΝΕΕΙ 

Die Odyssee inspiriert die Deutschen VORTRAG in Bad Homburg

Με αφορμή μια διάλεξη για την ΟΔΥΣΣΕΙΑ στη Δημοτική Βιβλιοθήκη της πόλης Bad  Homburg   την Πέμπτη 2 Μαρτίου 2017.   Πολιτιστική εκδήλωση του Ελληνο-Γερμανικού Πολιτιστικού Συλλόγου ΕΛΛΑΣ

H  Γερμανίδα φιλόλογος  Dorothea Fröhder μίλησε για την ΟΔΥΣΣΕΙΑ.

Ήταν μια θαυμάσια εκδήλωση. Παρευρέθηκαν Έλληνες και Γερμανοί μέλη και φίλου του συλλόγου HELLAS Griechisch-Deutscher Kulturverein Bad Homburg v.d.H. Ενθουσίασε τους μετέχοντες.

Ο Κώστας Ιατρίδης, μέλος του Διοικητικού Συμβουλίου του Συλλόγου, έθεσε μερικές ερωτήσεις στην ομιλήτρια. Την παρακάλεσε να σημειώσει τις ιδέες που την παρακίνησαν να ασχοληθεί με την Οδύσσεια του Ομήρου και  τις εμπειρίες της από την επίσκεψη που είχε πραγματοποιήσει στην  Ελλάδα.

 Kostas Iatridis hat Frau Dorothea Fröhder die folgende Fragen gestellt: Bad Homburg März 2017

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit Homers >Odyssee< zu beschäftigen? Haben Sie Griechisch im der Schule gelernt?  Sind Sie in Griechenland gewesen? Welche Erfahrungen haben Sie dort gesammelt? Welche Gedanken haben Sie sich während Ihrer Studienzeit über die >Odyssee< gemacht?

Die >Odyssee<  –  Kompass einer Lebensreise?  Dorothea Fröhder

Die >Odyssee< hat mich seit meiner Kindheit durch mein Leben begleitet. Im Laufe der Jahre verstärkte sich der Eindruck, dass sich die in diesem Epos dargestellte Bilderwelt entschlüsseln lässt und  eine noch heute gültige Aktualität besitzt.

Ihre oben aufgeführten Fragen, sehr geehrter Herr Kosta Iatridis, lösten viele Gedanken bei mir aus. Warum ist die >Odyssee< zu meinem Lebensbegleiter geworden? Hat diese Tatsache etwas mit dem eigenen Leben, insbesondere mit meinen Reisen nach Griechenland zu tun?

Der griechische Dichter Konstantinos Kavafis versteht die Odyssee als den Lebensweg des Menschen schlechthin. Er empfiehlt dem Leser seines Gedichts >Ithaka<, Erlebnisse in fremden Ländern zu suchen, die alle Sinne des Menschen ansprechen. Lang soll der Weg sein – ohne Eile – aber  menschliche Begegnungen einschließen, die dann den  Anstoß zu neuen Erkenntnissen geben.

Wer hat nicht schon verwundert Umwege im eigenen Lebenslauf bemerkt, die neue Blickwinkel eröffnen, dadurch sinnvoll erscheinen und so das Ziel umso interessanter gestalten? Umwege dieser Art waren beispielsweise für mich der früh aufgekommene Wunsch, die altgriechische Sprache und die antike Literatur zu studieren; ein Vorsatz, der sich aber erst nach mehrmaligen Anläufen zehn Jahren später realisieren ließ.

Auch der Traum, nach Griechenland zu reisen, war schwer umzusetzen. Als es dann so weit war, führte das Kennenlernen dieses Landes und seiner Bewohner zu einem neuen Lebensverständnis.

Einer der Umwege ermöglichte die Bekanntschaft mit Marika Veloudiou (1894-1990), der ersten Fremdenführerin Griechenlands. Als ich nach der Halbzeit meines Studiums zu einem Auslandsaufenthalt nach Athen aufbrach, lag ihr Plan bereits fest: Sie war entschlossen, mir ihr Land auf ‚hellenische‘ Weise näher zu bringen: Ihr erster Ratschlag: Du musst raus aus der Bücherwelt; aufbrechen zu ‚homerisch‘ anmutenden Reisen, zu den bedeutenden Stätten der Antike und wenn sie an noch so entlegenen Orten liegen! Das Programm war, die Irrfahrten des Odysseus in der realen Welt zumindest andeutungsweise nachzuerleben.

Bei den Reisevorbereitungen griff Marika nur dann zu den Büchern ihrer umfangreichen Bibliothek, nachdem sie den großen Kreis ihrer Freunde nacheinander angerufen, sie über das anvisierte Ziel ausgefragt und die so gewonnenen Informationen als unzureichend befunden hatte. Die Jahrtausend alte mündliche Tradition der Griechen war in den siebziger Jahren des 20igsten Jahrhunderts in Griechenland noch immer lebendig und gehörte zum Lebensalltag!

Bei den damaligen Straßenverhältnissen hatte jede Autofahrt zu entlegenen Stätten den Charakter eines Abenteuers. Dieses begann spätestens, wenn wir nach dem Weg fragen mussten. Marikas mahnender Satz klingt mir noch heute im Ohr: „ich habe zuerst gefragt, nicht du!“ Jede Auskunft nach dem Weg wurde zunächst von den Einheimischen mit den Gegenfragen beantwortet: Wer seid ihr? Woher kommt ihr? Warum wollt ihr dorthin? Marika wusste, dass der Wissensdurst erst befriedigt war, wenn man seine Familiengeschichten – begonnen mit dem achtzigjährigen Großvater bis zum jüngsten Enkel – ausgetauscht hatte. Daher war ihre energische Ermahnung, zur Sache zu kommen, aus ihrer Sicht verständlich. Ich hingegen genoss diese Szenen, erinnerten sie doch an viele Stellen der Odyssee, in denen Odysseus den Kontakt zu Menschen in der Fremde mit ähnlicher Neugierde herstellte.

Hatten wir dann schließlich die gesuchte Auskunft erhalten, kam Marika abschließend zur Gewissensfrage: ‚Küsst du das Kreuz auf Deine Aussage?  Prompt folgte die Antwort: ‚ich erzähle keine Lügen!‘. Nein, man log nicht, aber wie sollte man ei  gentlich in einem damals nur teilweise erschlossenem Land als Fußgänger einem Autofahrer präzise Wegbeschreibungen geben? Wie die Himmelsrichtungen festlegen, wenn man selbst nie dort gewesen war? Musste man nicht die Fantasie zu Hilfe nehmen und wo liegen dann die Grenzen zwischen der eigenen Vorstellung und dem geographischem Wissen?

Die Ortsangaben von Odysseus‘ Abenteuerreise sind von Homer ähnlich vage gehalten. Spiegeln sie den Wissensstand der damaligen Reisenden wider oder will der Dichter die Irrfahrten seines Helden bewusst in dem Land ‚Utopia‘ ansiedeln?

Die Gastfreundschaft, die uns auf unseren Fahrten entgegen gebracht wurden, bleibt unvergesslich. Herberge oder Geschenke gehörten mit dazu. Die Pflücker in einer Aprikosenplantage beließen es beispielsweise nicht bei einer Kostprobe. Nach einem kurzen Gespräch wurden die Fremden mit mehreren Einkaufstüten, prall gefüllt mit Aprikosen, auf die Weiterfahrt geschickt.

Gastfreundschaft und Gastgeschenke sind für Odysseus der kulturelle Maßstab, nach dem er Fremde auf seinen Irrfahrten einschätzt: ‚Sind es Wilde oder gastfreundliche Menschen, zu denen ich diesmal gekommen bin?‘ Zurückgekehrt nach Deutschland, war mir klar, dass die vielen, in Griechenland gewonnenen Eindrücke erst über längere Zeit verarbeitet werden mussten. Damals ahnte ich jedoch nicht, dass daraus 40 Jahre werden sollten. Zeit genug, um das Studium der griechischen Kulturepochen zu vertiefen.

Lebendig war zum Beispiel der Gedankenaustausch über die >Odyssee< in einem einjährigen Kolloquium, in dem die Teilnehmer auf die neuen Erkenntnisse warteten, die der Professor während der vorangegangenen Woche erforscht hatte und uns nun im Gespräch daran teilhaben ließ. So richtete er unter anderem unser Augenmerk auf die Erkennungsszenen im zweiten Teil der Odyssee.

Wie konnte der Kriegsheimkehrer Odysseus nach zwanzigjähriger Abwesenheit und der damit verbundenen Entfremdung, dennoch die alte Vertrautheit zu seinen Verwandten herstellen? Es geschah durch das Erinnern und Wiederbeleben gemeinsam erlebter Szenen. Sie konzentrieren sich auf handwerkliche Tätigkeiten. Diese waren von dem Erzähler Odysseus oder seinem Zuhörer vor vielen Jahren mit besonderer  Sorgfalt verrichtet worden.. Der von seinen Irrfahrten zurückgekehrte Odysseus knüpfte nun an diese Szenen an, in denen sich einst die Gesprächspartner besonders nahe gekommen waren.

So lässt Homer das Wiedersehen des Odysseus mit seinem hochbetagten Vater auf dessen Landgut stattfinden. Dorthin hatte sich der Greis aus Kummer über den verschollenen Sohn zurückgezogen. Der heimgekehrte Odysseus beobachtet zunächst aus der Ferne, wie der Alte Trost in der mühseligen Gartenarbeit sucht. Als es dann zum Gespräch zwischen Vater und Sohn kommt, will der Vater ein Erkennungszeichen haben, um nach so vielen Jahren vergeblichen Hoffens an die Rückkehr seines Sohnes glauben zu können. Odysseus erinnert ihn daran, wie er als kleiner Junge hinter ihm hergelaufen sei, als der Vater die Bäume pflegte und dem Sohn die Namen der verschiedenen Sorten nannte. Damals hatte er dem Sohn einzelne Bäume geschenkt. Diese Anekdote macht deutlich, wie gemeinsam Erlebtes zum Bindeglied nach langer Abwesenheit werden kann. Jahrzehnte nach dem Besuch des Kolloquiums führten mich eigene Studien zu den in der Odyssee beschriebenen Landschaften zurück nach Griechenland. Dort hielt ich meinen ersten Vortrag über dieses Thema.

Ein weiterer Fokus kam hinzu: in den letzten zwei Jahren hörte ich Vorträge von Archäologen, die über die jüngsten Erkenntnisse berichteten, die die Archäologie hinsichtlich der griechischen Kulturepochen gewonnen hat. Eröffneten diese Entdeckungen nicht auch neue Fragestellungen zu der in der Odyssee dargestellten Welt?  Diese archäologischen Nachrichten weckten in mir den Wunsch, Griechenland ‚wie zu  Marikas Zeiten‘ erneut zu bereisen und die neueren Ausgrabungen möglichst selber aus der Nähe kennen zu lernen.

Vieles hatte sich innerhalb der 40 Jahre geändert und Griechenland geht heute einen schwierigen Weg zur Moderne, der den Lebensnerv des Landes trifft. Wird es sich etwas von der homerischen Lebensweise erhalten können?

Dass die Gastfreundschaft – aller Armut zum Trotz – noch heutzutage dem Fremden entgegen gebracht wird, habe ich auch in jüngster Zeit immer wieder freudig erfahren. Auch fehlte es an persönlichen Begegnungen nicht, wovon mir eine in besonderer Erinnerung blieb:

In Delphi erzählte uns ein achtzigjähriger Grieche – rückblickend auf sein Leben – von seinen Gütern, die er sich durch eigene Arbeit im Laufe der Jahre erworben hatte. Zur Beschreibung seines Grund und Bodens gab er jedoch nicht die Hektar- oder Quadratmetergröße an, sondern die Anzahl der Olivenbäume, die er auf seinem Hauptbesitz und auf seinem Sommerquartier eigenhändig gepflanzt hatte.

Es folgte ein sehr genauer Bericht, wie er und seine Familie diese Oliven jedes Jahr pflücken, reinigen und in einer Salzlache einlegen. Abschließend wird die Ernte mit einem großen Familienfest auf dem Landgut gefeiert, bei dem der Lammbraten am Spieß wie zu Homers Zeiten nicht fehlen darf. Während wir noch erklärt bekamen, wie sich diese Oliven von Amphissa von den angeblich besten Oliven aus Kalamata in Größe und Haltbarkeit unterscheiden, musste ich an die Odyssee-Szene auf dem Landgut von Odysseus‘ Vater Laertes denken.

Während meines Vortrags, zu dem der Vorstand des  Griechisch – Deutschen Kulturvereins Bad Homburg v.d.H. “HELLAS” am  02.März 2017  eingeladen hatte, erhielt ich durch die aufgeschlossene Reaktion und dem intensiven Interesse der Zuhörer den Eindruck, dass der Dialog zwischen dem homerischen Epos der >Odyssee< und dem realen Griechenland von heute auch in Zukunft eine lebensnahe Fortsetzung finden kann.

Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten, besonders an alle Mitglieder des Vorstands, die durch arbeitsaufwendige Organisation, durch gastfreundliche Bewirtung und durch das Vorlesen des Gedichtes >Ithaka< von Konstantinos Kavafis in griechischer Sprache und deutscher Übersetzung einen wunderschönen Rahmen für den Vortrag geschaffen haben!

Dorothea Fröhder       Bad Homburg, 07.03.2017