Die Investitionen haben Sand im Getriebe

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Die Lernea Hydra, dieses vielköpfige Ungeheuer, war unsterblich, denn, wenn jemand ihr einen Kopf abtrennte, wuchsen an seiner Stelle zwei andere, bis Hercules kam und verbrannte sie gänzlich und auf einmal. Zwar befreite damals Hercules viele vor der Angst, als Opfer des Ungeheuers zu fallen, entzog aber den Nachkommen, und den Neugriechen, eine Gelegenheit zur Vollbringung großer Taten. Deshalb haben wir an die Stelle der Lernea Hydra die Bürokratie geboren und pflegen sie besonders ausgiebig.

Als die Kreter noch nicht zu den Griechen zählten, schufen sie den Mythos des Labyrinths, einen komplexen Bau mit vielen Gängen, worin es nur einen Ausweg gab. Im Inneren lebte Minotaurus, der jeden verschluckte, würde er sich ihm nähern. Bis eines Tages Theseus kam, der Sohn des athenischen Königs Aigeus. Theseus hatte den Auftrag, den Minotaurus zu töten und somit Athen von der Pflicht zu befreien, Menschenopfer an Minotaurus zu erbringen.

Kaum hat Theseus seinen Fuß auf Kreta gesetzt, verliebte er sich in die Prinzessin Ariadne, die Tochter von Minos. Nun wollte Ariadne ihren Geliebten retten und gab ihm dafür einen Fadenkräuel; beim Abwickeln führte er den Halter zum Minotaurus, wo er ihn tötete. Anschließend rollte Theseus den Faden wieder auf und fand somit den Ausgang. Er fiel in die Arme der Ariadne, und beide traten die Rückfahrt nach Athen an. Dabei geschah etwas Schicksalhaftes:

Theseus fuhr nach Kreta mit schwarzen Segeln mit dem Versprechen, er würde sie durch weiße Segeln ersetzen, sollte es ihm gelingen, Minotaurus zu töten. Nun vergaß er dies zu tun. Während Aegeus auf die Mannschaft am Kap Sounio wartete, sah er das Schiff mit schwarzen Segeln kommen. Daraufhin stürzte er sich auf die ihm vorliegenden Felsen – seitdem heißt das Meer Ägäis. Die echten Athener sind heute noch stolz auf ihren Prinzen Theseus. Zu seinen Ehren haben sie ein Ebenbild des Labyrinths konstruiert, es ist das Steuersystem. Und wer heute in den Paragraphen nach seinem Recht blättert, so geht er möglicherweise selbst nicht verloren, er verliert bloß sein Vermögen bei der Suche um Rat bei Anwälten und Steuerberatern.

Die Bürokratie und das Steuersystem sind die bedeutendsten Hindernisse, die die Investoren in Griechenland überwinden müssen, vor allem die ausländischen. Beide sind erstaunlicherweise nicht unüberwindbar, denn irgendeine Beziehung wird sich anbahnen und zu einer Lösung führen, selbst wenn dabei die Kosten für die Investition steigen werden. Unüberwindbare Schwierigkeiten bereiten hingegen die konträren Positionen, ja die Feindseligkeit mancher Politiker gegenüber ausländischen Investitionen. Ihre widersprüchlichen Stellungnahmen zu Projekten übertreffen manchmal die Missverständnisse beim Bau des Turms von Babel. Offensichtlich fehlen die erfahrenen Maurer, die neben einem ebenso unerfahrenen Baumeister täglich alles durcheinander bringen – sie wissen nicht, was sie tun.

Zur Zeit erleben wir dieses skurrile Verhalten der Verantwortlichen mit der kanadischen Firma Eldorado Gold in Skouries, dem Goldmineninvestor in Chalkidiki, obwohl der Staatsrat zweimal dem Unternehmen Recht gegeben hat. All dies geschieht in einer Zeit, „(…) während wir buchstäblich um ausländische Investitionen ringen; und nun wir tun, was wir können, um diese Bemühungen zu untergraben“, „To Vima“, 14.01.2016.

Ein Blick auf andere Länder, wo Milliarden von ausländischen Investitionen getätigt werden, möge unsere feindliche Haltung zu ausländischen Investitionen korrigieren:

Die Rolls -Royce, das Juwel der englischen Industrie, gehört zu BMW. Hochtief, die den Athener Flughafen gebaut hat, gehört der spanischen ACS (Actividados Construction Servicios). Die finnische Nokia hat vor kurzem die französische Alcatel-Lucent erworben. OPEL wird durch GM, SKODA durch VW, Chrysler durch FIAT beherrscht. Die GE (General Electric), der Riese der amerikanischen Industrie, erwarb vor kurzem die Hälfte der französischen Firma Alstom. GE beteiligt sich einzig in Europa an 50 Unternehmen und beschäftigt hier 35.000 Menschen.

Der französische Pharmakonzern Sanofi, einer der größten der Welt, kam aus dem Zusammenschluss u.a. der deutschen Hoechst. Der Schweizer Pharmakonzern Roche erwarb die Boehringer Ingelheim. Air Berlin, die auch nach Griechenland fliegt, wird zu einem Drittel durch die arabische Etihad Airways kontrolliert. ChemChina hat sich im Dezember an Kraus-Maffei beteiligt. Die Chinesen zeigen nun Interesse an die Übernahme des Flughafens Frankfurt-Hahn.

Das sind einige von hunderten Beispielen für Investoren im Ausland in den letzten Jahren. Keiner von ihnen hat sein Land verlassen und ging in ein anderes einzig aus Liebe zu diesem – weder der Franzose nach Deutschland, noch der Deutsche nach England, auch nicht der Finne nach Frankreich… Alle sind Unternehmer und streben einzig nach Gewinn. Dass sie mit ihrer Investition Arbeit im Ausland schaffen und die Steuern des Gastlandes steigern, ist für den ausländischen Investor sekundär. Aber auch der einheimische Investor hat den Gewinn als primären Zweck, weiniger den Patriotismus.

Die Tatsache, dass es so viele ausländische Investitionen in Russland und in China gibt, zeigt, dass der Investor sich vor allem für Gewinn interessiert; er geht hin, wo es dafür Chancen, ein stabiles Steuersystem und eine ebenso politische Stabilität gibt, was dies auch heißen mag, hauptsächlich er ist willkommen.

Und es ist gut so, wenn der Investor, ausländischer oder einheimischer, Geld verdient, denn ohne dieses wird er das Geschäft bald aufgeben. Nur staatliche Unternehmen können ohne Profit länger arbeiten, zunächst mal. Denn letztlich müssen ihre Verluste durch den Steuerzahler beglichen werden, ansonsten geben auch diese ihr Geschäft auf.