Spitzentreffen

image descriptionvon p. Martinos Petzolt

Großes steht bevor, vierzehn Gruppen aus ganz Europa mit hervorragenden Mitgliedern kommen bald zwölf Tage lang zu einem epochalen Ereignis zusammen, … aber leider schaut die Welt in die falsche Richtung. Wie gewohnt schaut sie nur nach Westen. Denn Frankreich zieht die Blicke auf sich, alle schauen gebannt auf die Fußballeuropameisterschaft. Von der Panorthodoxen Synode in Kreta vom 16. bis 27. Juni 2016 wird die Welt vermutlich kaum Kenntnis nehmen und kaum informiert werden. Dabei handelt es sich immerhin um die erste große panorthodoxe Synode seit dem siebten Ökumenischen Konzil 787, der zweiten Synode von Nikaia, in der über die Ikonenverehrung diskutiert und deren Rechtgläubigkeit entschieden wurde.

Aber nicht nur Fußballfans wird dieses Ereignis unberührt lassen, auch die orthodoxen Gläubigen in Deutschland zeigen bislang weder Kenntnis noch Interesse. In den Gemeinden wird darüber nicht gesprochen, Informationen sind rar und die veröffentlichten Texte und Dokumente hat fast keiner gelesen. Aber gerade Deutschland wird besonders stark auf der Synode vertreten sein, denn in den jeweils nur 20köpfigen Delegationen der verschiedenen autokephalen orthodoxen Kirchen sind 5 Metropoliten aus Deutschland dabei: Metropolit Augoustinos für das Ökumenische Patriarchat, Metropolit Isaak für das Patriarchat Antiochia, Erzbischof Mark für die Russische Kirche, Bischof Sergej für das serbische Patriarchat und Metropolit Serafim für das rumänische Patriarchat. Doch das Echo in Deutschland ist bislang gering. Umgekehrt sind eher Kritik und Befürchtungen zu hören und zu lesen, vor allem im Internet. Warner und Propheten befürchten Schisma, Glaubensabfall, Kirchenunion und Antichristherrschaft.

Selbstkritik und kritisches Hinterfragen sind durchaus gestattet und legitim, so etwa, warum die Entscheidungen einstimmig fallen müssen, was zwar ein starkes Zeichen der Einheit ist, aber in 2000 Jahren Kirchengeschichte noch nie der Fall war, warum nur über die vorbereiteten Texte geredet wird, die freilich in Jahrzehnten entstanden und gewachsen sind, und warum über manche Fragen, etwa die eines gemeinsamen orthodoxen Kalenders, immerhin die erste Frage des ersten Ökumenischen Konzils vor fast 1700 Jahren, auf russischen Druck überhaupt nicht gesprochen werden darf. Ein Thema übrigens ist noch nie in die Diskussion gebracht worden, obwohl es gerade in Deutschland besonders auffällig ist, nämlich die unterschiedliche Taufpraxis in den orthodoxen Kirchen, die in den nichtgriechischen Kirchen nicht immer dem Erbe der Väter treu ist.

Jedoch lässt manche Panikmache eher vermuten, dass die Texte, über die die Synode beraten wird, gar nicht gelesen wurden. Denn diese sind durch und durch orthodox, sie enthalten keine Häresien und formulieren die authentische orthodoxe Ekklesiologie.

Diejenigen, die Angst vor Neuerungen haben, müssten sich zumindest durch den Abstimmungsmodus, dass nur die 14 Kirchen als Ganze abstimmen können und dass alle 14 Kirchen einstimmig votieren müssen, beruhigen lassen. Denn bei diesem außergewöhnlichen Verfahren wird eher weniger als zu viel beschlossen werden. Es muss ja nur ein einziger Bischof in einer 20köpfigen Kirchendelegation mit Beredtsamkeit seine eigene autokephale Kirche dazu bringen, ein Veto einzulegen und schon kann ein ganzes Dokument von der Synode beiseite gelegt werden.

Angst ist nicht nur ein schlechter Ratgeber, er ist auch eine Sünde wider den Heiligen Geist und Kleingläubigkeit. Die Synodenväter treffen sich zum Fest der Pentikosti und des Heiligen Geistes und vertrauen darauf, dass der Heilige Geist die Kirche lenkt, die Hierarchen erleuchtet und wie die heiligen Apostel auch die Nachfolger der Apostel erfüllt. Wer an die Apostolizität der Heiligen Kirche Christi glaubt, kann und darf dem Wurm des Zweifels, der eine Brut der Schlange ist, keinen Raum geben.

Bei genauerem Hinsehen wird also vermutlich eher weniger als zu viel abgestimmt und verabschiedet werden, und es werden die Endzeitspropheten sicher nicht Recht behalten, hoffentlich aber auch nicht diejenigen, die eine Ergebnisarmut befürchten. Metropolit Ioannis von Pergamon hat auf der Priestertagung der griechischen Metropolie von Deutschland in München eine klare Antwort allen Skeptikern und Zweiflern gegeben, indem er darauf verwies, dass alleine die Tatsache, dass endlich eine panorthodoxe Synode stattfinden kann, ein riesengroßes Ereignis ist, bei der die Kirchen nach so vielen Jahrhunderten endlich wieder lernen und einüben können, synodal zu handeln und sich zu regieren. Es muss wieder ins Herz der Kirchen gelangen und zur Gewohnheit werden, dass die Orthodoxie synodal ist, nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis. Der Abstimmungsmodus wird jedenfalls die Einheit und Einmütigkeit betonen und stärken, um ein gemeinsames Zeugnis der Einen, Heiligen, Katholischen Apostolischen Kirche, also der Orthodoxie, vor der zersplitterten Welt abzulegen. Vielleicht und hoffentlich ist diese panorthodoxe Synode nur ein erster Anlauf, sie ist in jedem Fall ein Anfang einer neugefundenen Praxis, die sich möglichst rasch immer wieder wiederholen soll. Möge sie zur Routine des Miteinanders und der Gemeinschaft der Orthodoxen Kirchen weltweit werden, die gemeinsam beten, sprechen, glauben, lehren und regieren.