Helferin ist plötzlich auf Hilfe angewiesen

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Sie ist das Gesicht des Vereins für Therapeutisches Reiten in Taufkirchen: Sosa Balderanou.

Taufkirchen – Ziel des Vereins ist die Förderung behinderter Kinder durch therapeutisches Reiten. Im Sommer hat die Vorsitzende selbst eine schwere Zeit durchgemacht, doch sie hat nie daran gedacht, aufzugeben. Auch oder vor allem um der Kinder willen.

„Es ist schwierig, eine Familie zu finden, die ihr Kind zur Schau stellt. Die Eltern sind ja mit der Situation meistens ziemlich ausgelastet“, erklärt Sosa Balderanou, die Vorsitzende des Vereins für Therapeutisches Reiten. Sie bittet dennoch um Unterstützung, weil sie einen landkreisweiten Ausflug nach Gut Aiderbichl organisieren möchte. „Es wäre schön, wenn durch die Aktion Licht in die Herzen die oder ein Teil der Kosten übernommen werden.“ Jedes Kind hätte etwas davon, und auch die Eltern fänden die Idee toll. Auch andere Menschen mit Einschränkungen würde Balderanou bei dem Ausflug gerne mitnehmen, auch wenn sie kein Mitglied des Vereins seien.

Dieses Jahr sei aufgrund ihrer eigenen Krankheit der geplante Tag der offenen Tür ausgefallen, erklärt Balderanou. „Deshalb möchte ich es anders gestalten, damit die Sponsoren sehen, wo ihre Spendengelder hingehen und damit die Menschen, die immer spenden, mit uns ins Gespräch kommen.“ Die Vorsitzende werde oft zu Spendenübergaben eingeladen, und diese Termine würden meist nicht allzu lange dauern. „Aber mir ist es wichtig, dass die Spender wissen, was wir für ein Verein sind, was wir machen und wofür die Spendengelder verwendet werden.“

Wie man sich mit körperlicher Einschränkung fühlt, musste die 43-jährige Taufkirchener Gemeinderätin heuer am eigenen Leib sehr schmerzvoll erfahren. „Im Juli, während des Taufkirchener Volksfestes, in der schönsten Zeit des Jahres, habe ich pausieren müssen. Eigentlich hatte ich an eine andere Pause gedacht“, sagt sie. Aber in dieser Zeit sei sie so gehandicapt gewesen, wie manches ihrer Kinder – und das das erste Mal im Leben.

Als sie davon erzählt, sammeln sich Tränen in ihren Augen. „Wenn man auf einmal nichts mehr kann, auf fremde Hilfe angewiesen ist und der größte Wunsch ist, dass man wieder gesund wird, ist alles andere auf einmal unwichtig“, erklärt die sozial überaus engagierte Taufkirchenerin mit griechischen Wurzeln. „Ich bin ein Mensch, der immer alles planen muss. Aber zu dem Zeitpunkt habe ich nichts mehr geplant. Ich war nur froh, wenn ich am nächsten Tag aufgewacht bin, ohne Schmerzen und ohne Kopfweh.“

Sosa Balderanou hatte einen Tumor im Kopf, an dem sie drei Mal operiert werden musste. Ein Jahr lang hatte sie die kleine Beule schon gespürt, aber nie die Zeit, um krank zu sein. „Ich dachte mir immer, wenn ich mal Zeit habe, lass ich es anschauen.“ Aber die Beule wurde immer größer, „und Mitte Juni konnte ich nicht mehr gehen“. Erst da habe sie endlich einen Arzt aufgesucht, und am 8. Juli die schockierende Diagnose erhalten. Trotzdem ließ sie sich abends noch zu einer Spendenübergabe fahren und nahm das Geld für den Verein – auf Krücken gestützt – entgegen. Sie habe den Vereinsvorstand über ihre Krankheit in Kenntnis gesetzt und um Verständnis gebeten, dass sie eine gewisse Zeit ausfallen werde. „Ich habe mit Dr. Alison Davies eine gute Stellvertreterin und weitere engagierte Mitglieder wie Birgit Schöfberger oder Katharina Mergenthaler. Ich dachte mir, Herrgott, das ist eine Prüfung, die ich überstehen muss, auch wenn es schwierig ist.“ Dennoch habe sie immer gewusst, dass alles gut werde, weil immer wieder Menschen gekommen seien, die sie unterstützt hätten – auch aus der Politik, von denen sie es nicht erwartet habe: „Da merkst du, dass du doch nicht ganz unrecht bist.“

Ihr Kampfgeist erwachte schon früh wieder, etwa als sie auf Reha den Therapieplan erhielt. Darauf sei für sie als Pflichtveranstaltung ein Vortrag über Schwerstbehinderte gestanden. Sofort habe sie die zuständige Dame kontaktiert und sie gefragt, was sie dort soll. „Ich sagte ihr, ich bin drei Mal operiert worden und kann alles bewegen.“

Zwei Monate später durfte sie wieder heim. Aber in dieser Zeit hatte sich einiges für sie geändert. „Mein oberstes Ziel war, wieder gesund zu werden, denn ich bin ein sozial eingestellter Mensch und wollte noch so viel machen, vor allem als Gemeinderätin und natürlich für meinen Verein.“

Die Hippotherapie stelle sie immer wieder vor neue Herausforderungen, gibt sie mit einem Strahlen zu. Momentan habe man sechs Kinder und noch Kapazitäten frei. Zwei Therapeuten und 20 Helfer, die sich abwechseln, kümmern sich um die therapeutischen Reitstunden in der Taufkirchener Reithalle in Hilpolding. Die beiden Therapiepferde seien auf der BJ-Ranch in Weg, am anderen Ende des Orts, untergebracht. Für den Transport zu den Therapiestunden werde das Vereinsfahrzeug benötigt, das Versicherung, Sprit und mehr koste. Das Auto sei kostenlos in Moosen untergestellt. Alles in allem braucht der Verein pro Jahr an die 20 000 Euro. Er finanziert sich durch die Beiträge der Mitglieder, durch die Stundengebühren, die die Eltern meistens übernehmen, und vor allem durch Spenden. Das heißt für Balderanou: Unermüdlich die Werbetrommel rühren und ihre vielen Beziehungen nutzen, was sie sehr erfolgreich macht.

Den Verein gibt es seit über 20 Jahren, sie ist seit vier Jahren Vorsitzende und möchte es auch gerne bleiben. „Ich will generell, dass mehr für Menschen mit Einschränkungen unternommen wird. Es kann so schnell gehen, und man ist selber betroffen“, betont sie.

Deshalb ist es für sie auch selbstverständlich, dass sie sich in der Lenkungsgruppe Teilhabe und Inklusion der Gemeinde engagiert. „Mein ehrenamtliches Engagement und meine Arbeit als Gemeinderätin haben mir über meine Krankheit hinweggeholfen“, erklärt sie. „Ich wünsche mir nur, dass ich wieder ganz gesund werde. Denn ich fühle mich noch nicht ganz fit, sondern als ob mir jemand Zügel auferlegt hat und mir sagt ‚Hohoho, nicht so schnell’. Aber daran kann ich mich nicht so schnell gewöhnen.“

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/ Dorfener Anzeiger unterstützt Einrichtungen und Vereine wie den für Therapeutisches Reiten in Taufkirchen. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

Quelle : Merkur Birgit Lang