Evangelismos und Pas’cha

image description

Μετάφραση στα ελληνικά

Jahr für Jahr fällt das Fest der Verkündigung in die Fastenzeit; – sogar in die Karwoche und gar auf Ostern selbst kann es fallen. Und die Gottesmutterpreisungen, die auf dieses Fest vorbereiten, prägen mit besonderem Glanz die Freitage der Fastenzeit, die eigentlich strenge Fastentage sind. Das mag man so hinnehmen in dem Wissen, dass die Feste so zu feiern sind, wie sie fallen. Denn natürlich hat kein Kirchenvater diese Feste willentlich in eine Nähe gebracht, um einen tieferen Bezug und Sinn damit auszudrücken. Evangelismos, die Verkündigung des Erzengels Gabriel an die Allheilige Gottesmutter, findet nun mal nach den biologischen Gesetzen neun Monate vor der Geburt Christi an Weihnachten statt und fällt damit auf die Tage kurz nach der Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche, nach der auch das Osterfest bestimmt wird am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond.

Und doch offenbart sich ein tiefer Sinn im Zusammenfallen so verschiedener Feste. Es ist der eine Christus und das eine Heilshandeln Christi, das an den verschiedenen Festen des Kirchenjahres gedacht und gefeiert wird. An den verschiedenen Herrenfesten werden einzelne Aspekte des Glaubens an den einen Christus gefeiert, das eine Christusmysterium aus unterschiedlichen Aspekten betrachtet. In der Göttlichen Liturgie  wird alles wie in einem Brennglas zusammengebracht und zusammen gesehen: „Eingedenk … all dessen, was für uns geschehen ist: des Kreuzes, des Grabes, der Auferstehung am dritten Tage, der Auffahrt in die Himmel, des Sitzens zur Rechten, und der zweiten und herrlichen Wiederkunft„. Ja, sogar die erwartete Wiederkunft Christi und das noch ausstehende Gericht werden in der Zeitlosigkeit Gottes bereits mit aufgezählt.

Das Vergegenwärtigen von zeitlich weit entfernt liegenden Ereignissen in einem Augenblick findet auch bei jedem einzelnen Fest statt. „Heute ist der Beginn unseres Heils und die Offenbarung des Mysteriums von Ewigkeit her. Gottes Sohn wird zum Sohn der Jungfrau …“ singt die Kirche für ein historisches Geschehen vor 2000 Jahren. Nicht „heute war der Anfang …“ formuliert der Hymnus, sondern als gegenwärtig im Heute des kirchlichen Lebens wird das Ereignis erlebt: Heute „ist“ der Beginn. In der Ewigkeit Gottes gibt es weder Vergangenheit, Gegenwart noch Zukunft, und in der kirchlichen Vergegenwärtigung geschieht nicht eine rückwärts gewandte Erinnerung, sondern ein reales Erleben von Wahrheit.

Es ist eben nicht nur die Erinnerung, die heute noch Gültigkeit hat, sondern das Ereignis selbst, das über den kalendarischen Termin hinausragt. Tatsächlich geschieht mit der Verkündigung auch etwas mit jedem Menschen und mit der ganzen Menschheit, jedenfalls wenn der Satz der heiligen Väter Kyrillos, Athanasios, Irenaios und anderer zutrifft, dass „Gott Mensch wurde, damit der Mensch vergottet werde“. Dann hat der Beginn der Menschwerdung Christi bei der Verkündigung in Nazareth nicht nur eine gewisse Bedeutung für jeden Menschen, sondern ist auch der Beginn der Vergottung des Menschen und der Heilung des gestörten Verhältnisses von Gott und Mensch durch die Ursünde im Paradies.

Nichts anderes als diese Heilung der Beziehung des Menschen zu Gott feiert die Kirche an Ostern selbst, da Christus in seiner Auferstehung den Adam – und damit die ganze Menschheit – aus dem Tod reißt und in seine Auferstehung mitnimmt. „Um die allgemeine Auferstehung vor deinem Leiden zu bezeugen, hast du den Lazarus von den Toten erweckt, Christus, Gott …“ singt die Kirche am Lazarussamstag, um zu erklären, dass die Auferstehung Christi nicht ein persönlicher Akt Gottes an seinem Erwählten war, sondern ein Heilsgeschehen für die Menschen, damit alle in Christus zur Auferstehung und mit ihm zum Vater gelangen, wie der hl. Apostel Paulus erklärt „Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln … Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“ (Röm 6,4;8).